Sex nach der Geburt

Als frisch gebackene Eltern ist es normal, das Gefühl zu haben, viele Veränderungen auf einmal zu erleben. Vom Tagesablauf bis hin zum eigenen Körper – das Leben vor und nach der Geburt kann komplett anders aussehen! Vielleicht hast du es dir schon gedacht, aber ein Bereich, der sich durch das Elternwerden wahrscheinlich verändert, ist euer Sexualleben.

Und auch wenn du Sex vor der Geburt immer geliebst hast, kann die Vorstellung, nach der Geburt eines Babys Sex zu haben, entmutigend sein – sowohl für dich als auch für deine/n PartnerIn. Hier findest du alles, was du über Sex nach der Geburt wissen solltest – von der Frage, wann es sicher ist, wieder damit anzufangen, bis hin zur Frage, wie du das Beste daraus machen kannst:

Wann kann ich nach der Geburt wieder Sex haben?

Um es einfach zu machen: wann auch immer du möchtest! Oft wird von MedizinerInnen empfohlen, bis zu sechs Wochen nach der Geburt mit dem Sex zu warten, damit dein Körper ausheilt und sich erholen kann. Das liegt daran, dass du wahrscheinlich noch Schmerzen hast und als frisch gebackener Elternteil eventuell auch einfach sehr müde bist.

Aber eigentlich gibt es in der Phase nach der Geburt und dem Übergang zur Elternrolle keine „normalen“ Standards. Jede Person erlebt unterschiedliche körperliche und seelische Auswirkungen, sodass ein präziser Zeitrahmen manchmal wenig hilfreich sein kann. Das Wichtigste ist, dass du das tust, was sich für dich richtig anfühlt.

Hör also auf dich selbst, auf deinen Körper und tausche dich mit deinem/r SexualpartnerIn aus. Wenn ihr euch beide wohlfühlt und gemeinsam Lust auf Sex habt, könnt ihr es tun, wann immer es euch passt. Aber es gibt auch keinen Grund zur Eile.

Wann kann ich nach der Entbindung wieder schwanger werden?

Wenn ihr heterosexuellen Sex habt, kannst du ab drei Wochen nach der Entbindung wieder schwanger werden. Das gilt auch wenn du stillst oder die erste Periode nach der Geburt noch nicht zurückgekehrt ist.

Spermien überleben nach der Ejakulation noch eine Weile in der Vagina. Wenn du also vermeiden willst, gleich wieder schwanger zu werden, ist es ratsam sich bei jedem Geschlechtsverkehr nach der Geburt zu schützen. Unabhängig davon, wie schnell nach der Geburt du wieder sexuell aktiv bist. Du wirst womöglich auch die Gelegenheit haben, Verhütungsmethoden zu besprechen, bevor du das Krankenhaus nach der Geburt verlässt oder bei der ersten Nachkontrolle. Wenn dein/e Arzt/Ärztin Sex oder Verhütung überhaupt nicht erwähnt, empfehlen wir, ihn oder sie um Rat zu fragen.

Tipps für Sex nach der Geburt

Dein Körper und deine Psyche haben viel durchgemacht, deshalb kann sich Sex nach der Geburt eines Kindes wie völliges Neuland anfühlen. Hier sind einige Tipps, wie Du den Sex so gestalten kannst, dass es für dich sicher und angenehm bleibt:

Kommunikation mit dem/r Sexpartner/in

Kommunikation ist immer das Wichtigste; sei es vor, während oder nach dem Sex. Wahrscheinlich wirst du – wie dein/e SexpartnerIn – persönliche Sorgen, Bedenken oder Ideen haben. Äussere also vor dem Sex deine Erwartungen und sprich über alles, was dir Sorgen macht, um sicherzustellen, dass ihr auf derselben Ebene seid. Setzt die Kommunikation während des gesamten Vorgangs fort, damit ihr beide wisst, wie sich der andere fühlt und was gut oder auch nicht so gut läuft. Es ist empfehlenswert, sich nach dem Sex nochmal auszutauschen. Sprecht darüber, wie ihr das Ereignis jeweils erlebt habt, wie ihr euch dabei gefühlt habt und was beim nächsten Mal besser sein könnte.

Eine offene Kommunikation mit dem/r SexpartnerIn ist wichtig für angenehmen und einvernehmlichen Sex, und kann auch sehr nützlich sein, um euch beide durch den Geschlechtsverkehr nach der Geburt zu begleiten.

Geht es langsam an

Wenn du oder dein/e SexpartnerIn nervös seid, solltet ihr es wirklich langsam angehen lassen, damit es für euch beide einfacher ist. Das könnte bedeuten, andere Körperteile des Partners länger zu genießen oder den penetrativen Sex langsamer anzugehen. Es langsam anzugehen ist auch die bessere Idee, falls gewisse Dinge noch etwas schmerzhaft sind. Denk daran, dass es viele verschiedene Arten sexueller Aktivitäten gibt, die sich wirklich gut anfühlen können. Eine nützliche Gelegenheit um andere, verschiedene Möglichkeiten zu erforschen, mit denen ihr euch gegenseitig beglücken könnt. Langsamkeit gibt dir und deinem/r PartnerIn ein größeres Zeitfenster, um neu zu bewerten und anzupassen, was du tust und wie du dabei vorgehst.

Auch andere Formen von Zuneigung zeigen

Wenn sich Sex im Moment als „zu viel“ anfühlt und du noch nicht so weit bist, ist das auch in Ordnung! Es gibt auch andere, verschiedene soziale Interaktionen, um sich dem Partner näher zu fühlen, sich gegenseitig Zuneigung zu zeigen und Intimität herzustellen. Ihr könnt versuchen, euch mehr zu küssen oder zu kuscheln, Händchen zu halten, euch mit netten Worten zu ermutigen und zu loben oder gemeinsam zu masturbieren. Dies wird euch beiden helfen, die Liebe füreinander auszuleben und euer sexuelles Verlangen zu bekräftigen, ohne Sex zu haben, bevor ihr dafür bereit seid.

Gleitmittel verwenden

Ausreichend Gleitmittel beim Sex zu verwenden (auch in jeder Phase des Lebens, nicht nur nach der Geburt) kann eine richtige Bereicherung für dein Sexualleben sein. In praktischer Hinsicht können Gleitmittel dazu beitragen, dass der Sex nicht schmerzhaft ist. Außerdem kann Gleitmittel dein Vergnügen steigern und neue und aufregende Empfindungen in deine sexuelle Aktivität einbringen. Die hormonelle Umstellung nach der Geburt kann dazu führen, dass deine Vagina trockener als sonst ist. Wir empfehlen die Verwendung eines Bio-Gleitmittels, wie z. B. die Produkte von YES!

Sich auf das „Unerwartete“ vorbereiten

Wenn sich dein Körper und die Art und Weise, wie du Sex genießt, nach der Geburt verändert haben, kann das erst einmal ein Schock sein. Versuch, nicht in Panik zu geraten, wenn das der Fall ist. Du und dein Körper haben etwas Außergewöhnliches geleistet, und die Veränderungen, die du jetzt erlebst, sind der Beweis dafür. Gemeinsam mit deinem/r SexpartnerIn könnt ihr neue Wege erforschen, um deine neuen Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen. Das ist vielleicht etwas zeitaufwendig und auch nicht immer ganz einfach, aber nimm es gelassen und setz dich nicht unter Druck – denk daran, dass es keinen „normalen“ Standard gibt, wenn es um Sex geht.

Ein Handtuch darunterlegen

Nach der Geburt kann es zu Blutungen kommen, weil sich die Gebärmutterschleimhaut ablöst. Diese Blutungen werden als Lochia bezeichnet. Wenn du Flecken auf der Bettwäsche vermeiden willst und auch nicht noch zusätzlich Wäsche waschen willst, kann es eine gute Idee sein, beim Sex einfach ein Handtuch darunterzulegen. Mach dir aber keine Sorgen, wenn du es im Eifer des Gefechts vergisst, Flecken haben noch niemandem geschadet und das Wichtigste ist, dass du Spaß hast!

Ist es normal, nach der Geburt keine Lust auf Sex zu haben?

Ja, es ist normal, dass du nach der Geburt eventuell eine Zeit lang keinen Sex haben möchtest. Gründen hierfür können z. B. sein:

  • Schmerzen oder Müdigkeit
  • Verminderte Libido
  • Veränderungen zu akzeptieren, die dein Körper erlebt hat
  • Postnatale Depression

Schmerzen oder Müdigkeit

Dein Körper hat viel durchgemacht, und du musst dich jetzt auch um ein neugeborenes Baby kümmern. Du fühlst dich sehr wahrscheinlich müde und hast vielleicht auch Schmerzen durch die Wehen und all die Veränderungen, die nach der Geburt eintreten. Ganz zu schweigen davon, dass die Geburt eines Babys bedeutet, dass du nachts nicht richtig durchschlafen kannst. Wenn du unter chronischem Schlafmangel leidest, ist es nur logisch, dass Sex so ungefähr das Letzte ist, woran du jetzt denken kannst.

Verminderte Libido

Wenn sich deine Prioritäten auf die Elternschaft verlagern, kann es sein, dass die Libido richtig absinkt. Sich um ein neugeborenes Baby zu kümmern, bedeutet viel Arbeit, und deine oberste Priorität ändert sich oft dahingehend, dass du dich hauptsächlich darauf konzentrierst, alle Bedürfnisse deines Babys zu erfüllen. Während du auf deine elterlichen Instinkte hörst und du diese neue Herausforderung annimmst, kann es sein, dass dein Sexualtrieb herunterfährt, damit du dich besser auf diese neue Rolle konzentrieren kannst.

Körperliche Veränderungen

Unabhängig von der Form der Geburt, verändert sich der Körper, der dich dein ganzes Leben lang begleitet hat, oft auf eine Art und Weise, die du vielleicht nicht erwartet hättest. Es ist normal, dass man Zeit braucht, um sich an diese Veränderungen zu gewöhnen, bevor man sie mit jemandem teilen möchte.

Postnatale Depression

Wenn du jedoch sowohl unter Libidoverlust als auch unter anderen Symptomen leidest, könntest du von einer postnatalen Depression betroffen sein. Postnatale Depressionen sind zwar häufig (1 von 10 frisch gebackenen Eltern leidet an einer postnatalen Depression) – depressive Verstimmungen sind aber nicht unbedingt normal und du musst nicht alleine darunter leiden. Wenn du denkst, dass du darunter leidest, solltest du mit einem/r Arzt/Ärztin und deinem Umfeld sprechen, um Unterstützung zu erhalten.

Auch wenn es normal ist nach der Geburt eine Weile keinen Sex haben zu wollen, kann es eine gute Idee sein, mit einem/r Arzt/Ärztin darüber zu sprechen und auf andere Anzeichen zu achten, die auf eine postnatale Depression hindeuten könnten.

Das Wichtigste beim Sex nach der Geburt ist, dass du das tust, was sich für dich richtig (und gut!) anfühlt.

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