Das Problem mit der „Täglichen Routine“: Warum wir in Monatszyklen Denken Sollten

Egal ob du jeden Abend pünktlich um 20 Uhr deine Abendrituale einläutest, damit du genug Schlaf bekommst oder ob du morgens aus dem Bett hüpfst, um ins Fitnessstudio zu gehen, deine tägliche Routine hilft dir dabei, geistig und körperlich fit zu bleiben. Wenn wir von Routine sprechen, denken wir allerdings meist in Tagen. Was aber, wenn es einen besseren Weg gäbe, deine Routine zu planen? 👀 Lies weiter, wenn du herausfinden möchtest, warum die tägliche Routine für dich eventuell nicht funktioniert.

Was ist ein hormoneller Zyklus?

Ein hormoneller Zyklus ist eine Reihenfolge an Veränderungen, die deine Hormonlevel mit der Zeit durchlaufen. Deine Hormone arbeiten daran, deinen Körper und seine Vorgänge zu regulieren – so zum Beispiel deinen Atem, deinen Hunger, deine Lust auf Sex und vieles mehr. Hormonlevel variieren bei uns allen täglich und dein Hormonhaushalt kann jederzeit beeinflussen, wie wohl du dich mit dir selbst fühlst.

Wie lang sind hormonelle Zyklen?

Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Menschen mit Menstruationszyklus haben meist Hormonschwankungen den Menstruationsphasen folgen und sich über ungefähr 28 Tage erstrecken. Dies bedeutet, dass Hormonlevel sich im Verlauf des Tages ändern oder auch von einem Tag auf den nächsten ganz unterschiedlich sein können. Mehr dazu weiter unten.

Menschen ohne Menstruationszyklus durchlaufen meist tägliche (24 Std) Rhythmen. Hierbei wechseln die Hormonlevel zwar täglich, haben aber jeden Tag ungefähr zur selben Zeit ihren Höhe- bzw. Tiefpunkt.

Das Problem mit der täglichen Routine

Die Welt, in der wir leben, funktioniert in erster Linie in patriarchalischen und kapitalistischen Strukturen. Die moderne Welt wurde von und für Cis Männer gebaut, Frauen und gender diverse Menschen müssen sich oft dort einfügen, wo Platz ist. Dies wiederum bringt häufig Nachteile mit sich. Ein Beweis dafür ist die allgemein als gut anerkannte tägliche Routine – aufwachen, Sport treiben, bei der Arbeit produktiv sein und sich trotzdem Pausen gönnen, um sich Zeit für Erholung oder Hobbies zu schaffen.

Auch wenn die tägliche Routine generell eine gute Sache ist, ist dieses System eher für Menschen mit einem 24 Stunden Hormonzyklus geeignet. Es lässt den monatlichen Hormonhaushalt außer Acht und berücksichtigt nicht, dass du dich um 6 Uhr morgens am ersten Dienstag des Monats eventuell komplett anders fühlst als um 6 Uhr am dritten Dienstag des Monats! Manchmal ist eine tägliche Routine einfach nicht realistisch oder hilfreich, da sie nicht zum Rhythmus unseres Körpers passt.

In Monaten zu denken kann also sehr hilfreich sein, wenn du deine Gewohnheiten strukturieren und planen möchtest. Einige der großen Blöcke wie z.B. deine Arbeitszeiten oder wie viel Zeit du zum Ausruhen hast, lassen sich vielleicht nicht ändern. Dafür haben wir aber einige Tipps, wie du kleine Änderungen an deiner Routine vornehmen kannst, damit diese besser zu deinem Hormonlevel und den Phasen deines menstruellen Zyklus passt.

Menstruationsphase (3-7 Tage)

Die erste Phase in deinem Menstruationszyklus ist deine Periode. Deine Hormone sind in Bewegung. Dein Progesteron Level sinkt plötzlich, während dein Östrogen Level zwar niedrig, aber im Anstieg ist. Während dieser Zeit fällt dir vielleicht auf, dass deine Körpertemperatur etwas höher ist als normalerweise und dass deine Haut sehr sensibel ist. Eventuell bemerkst du auch noch einige PMS Symptome wie Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und Krämpfe.

Aber während dieser Zeit mit niedrigem Hormonspiegel kann dein Körper auch eine höhere Schmerzgrenze haben und du verspürst vielleicht mehr Energie als in den Tagen vor deiner Periode. Je weiter deine Periode voranschreitet, umso besser fühlst du dich wahrscheinlich.

  • Push dich ruhig ein bisschen mehr beim Sport. Du wirst überrascht sein, was dein Körper alles wegstecken kann. Und noch dazu kann Bewegung helfen, deine Stimmung zu verbessern und lästige Krämpfe loszuwerden.
  • Wenn möglich, lass es etwas langsamer angehen was die lästigen Notwendigkeiten wie Putzen, Einkaufen und sonstige Erledigungen angeht. Dies wird dir mehr Zeit für dich selbst geben.
  • Die Balance deiner Hormone ist gut für Kreativität und Reflexion, also nimm dir ruhig etwas Zeit dafür, neue Ideen zu erschaffen und erfüllenden Hobbies nachzugehen.
  • Verabrede dich wieder mit mehr Menschen – wir würden dir aber empfehlen, dich nur mit deinen engsten Freunden oder Familie zu treffen, damit du dich gut umsorgt fühlst – und nicht ausgelaugt!
  • Gönne dir ein paar Abende, an denen du früh ins Bett gehst. Schlafe auch wenn möglich etwas länger, damit dein Energielevel hoch bleibt!

Folikelphase (7-10 Tage)

In deinem Menstruationszyklus ist als Nächstes die Follikelphase an der Reihe. Dein Östrogenlevel steigt an, genauso wie dein FSH Level (Folikel-stimulierendes Hormon). Der Anstieg an Östrogen wird dir einen Energieschub geben und deine Stimmung heben. Deine Kommunikationsstärke und dein Gedächtnis sind in Top-Form. Richtung Ende dieser Phase steigt auch dein Testosteron Level an und du verspürst vielleicht eine stärkere Libido.

  • Nutze diese Zeit, um Krafttraining zu machen, wenn du Sport treibst. Dein Körper ist gerade in der richtigen Phase, um kräftiger zu werden.
  • Nutze deine erhöhte Libido, um Sex und Masturbation zu genießen, wann immer es gerade passt!
  • Nutze deine Energie, um deinen vier Wänden einen kleinen Frühjahrsputz zu geben und es dir so richtig schön zu machen.
  • Stehe früh auf und mach das meiste aus dem Morgen oder verbringe den Abend mit alten Freunden und mach Neue.
  • Erledige all die Notwendigkeiten von deiner To-Do Liste, die du während deiner Periode verschoben hast. Jetzt hast du jede Menge Energie, diese zu erledigen.
  • Denke daran, dir den ein oder anderen Moment für dich selbst zu nehmen – bei manchen Menschen kann das erhöhte Energielevel Stress oder Angstzustände hervorrufen. Yoga, Meditation oder ein gutes Buch können helfen.

Ovulationsphase (3-4 Tage)

Die Ovulationsphase ist oft der kürzeste Teil deines Zyklus und sie kann das Östrogenlevel auf seinen Höhepunkt schicken. Als Kettenreaktion steigt und fällt auch das luteinisierende Hormon (LH). Deine gute Stimmung, deine Energie und deine erhöhte Libido schwappen noch herüber von der Follikelphase und du bist in Bestform.

  • Priorisiere die schwierigsten Aufgaben in deinem privaten und beruflichen Leben und übertreffe deine Erwartungen.
  • Lass deiner kreativen Energie und deinen Plänen Taten folgen – mit etwas oder jemand neuem.
  • Nimm deine größte Herausforderung des Monats in Angriff!
  • Nimm dir etwas Zeit, um dich auf deine nächsten Schritte im Bezug auf deine Karriere oder deine persönliche Entwicklung zu konzentrieren. Falls du vor hast, dein Gehalt neu zu verhandeln oder nach mehr Verantwortung zu fragen, jetzt ist die Zeit, dir genau das zu holen, was du möchtest.
  • Sag laut und deutlich Ja zu allem, wonach dir der Sinn steht.

Lutealphase (10-14 Tage)

Die Lutealphase deines Menstruationszyklus bedeutet, dass der Progesteron- und Östrogenspiegel in deinem Körper abfällt. Ungefähr in der Hälfte dieser Phase fallen beide Hormonlevel ab und lösen die Menstruation aus, wenn eine Eizelle nicht befruchtet wird. Die Schwankung dieser Hormone löst meist prämenstruelle Symptome wie Stimmungsschwankungen, Blähbauch und Müdigkeit aus. Es geht auf deine Periode zu.

  • Lass es ruhig angehen mit deinem Workout und konzentrier dich auf Bewegung, die sich angenehm anfühlt. Dir ist gerade vielleicht nicht nach einer Spinning Stunde aber ein Spaziergang an der frischen Luft könnte genau das Richtige sein.
  • Sag Nein zu den Verabredungen, die du eher anstrengend findest. Hebe dir diese für Momente auf, in denen du dich geselliger fühlst und bleib einfach mal einen Abend zu Hause, um dich um dich selbst zu kümmern.
  • Nimm dir nicht zu viele Erledigungen vor, damit deine Tage stressfrei bleiben.
  • Finde Zeit, um zu reflektieren, wie du dich fühlst – jetzt ist eine gute Zeit, um in dich hinein zu schauen und Gefühle richtig zu fühlen.

Eine Routine zu finden, die auf deinem Hormonzyklus basiert, braucht wahrscheinlich ein bisschen Übung und eine Phase des Ausprobierens. Sei also nicht zu streng zu dir selbst und konzentriere dich darauf herauszufinden, was du brauchst. Es ist gut, dir immer wieder bewusst zu machen, in welcher Phase deines Zyklus du dich gerade befindest, und dies damit zu verknüpfen, wie du dich fühlst! Im nächsten Monat kannst dann danach planen. Es kann auch hilfreich sein, deinen Zyklus wie die Jahreszeiten zu betrachten. Unsere Körper sind komplex und ändern sich ständig, also mache immer mal wieder eine Bestandsaufnahme.

Hast du Tips für eine Routine, von der du gerne früher gewusst hättest? Teile sie mit uns in den Kommentaren!

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