Bescheuert besteuert – die Tamponsteuer im Überblick

Die Worte Tamponsteuer oder Luxussteuer sind euch wahrscheinlich in den letzten Wochen verstärkt zu Ohren gekommen. Und das hat einen guten Grund. Wie wir bereits in unserem Blog Anfang des Jahres berichtet haben, wurde die Steuer auf Menstruationsprodukte in vielen Ländern bereits gesenkt oder sogar ganz abgeschafft. In Deutschland hingegen, werden diese Produkte nach wie vor mit dem allgemeinen Mehrwertsteuersatz von 19% besteuert, und nicht mit dem emäßigten von 7%. Damit gelten sie in den Augen vieler als Luxusgüter. Obwohl dies kein neues Problem ist, hat das Thema im Moment ordentlich Aufwind und wird in vielen Foren, Magazinen und den Sozialen Netzwerken diskutiert. Und das finden wir super! Denn das System, nach welchem entschieden wird ob ein Produkt mit 7% oder 19% Mehrwertsteuer besteuert wird, ist verwirrend, unlogisch und veraltet. Wir haben für euch noch einmal einige Fakten, Initiativen und Entwicklungen in einem Überblick zusammengefasst.

Das UStG – Was wird ermäßigt besteuert?

Ermäßigt besteuert werden, sollen generell Produkte des Grundbedarfs um Haushalte mit niedrigem Einkommen finanziell zu entlasten. Welche Produkte mit dem emäßigten Mehrwertsteuersatz von 7% besteuert werden, ist unter §12 und seinen Anlagen  im UStG (Umsatzsteuergesetz) festgehalten. In erster Linie gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Lebensmittel, Erzeugnisse der Landwirtschaft und, ganz grob gesagt, Kunst-/Kulturgut. Zu diesen Kategorien gehören z. B. auch Kaviar, Trüffel, Schnittblumen und Gemälde!  Wieso werden Tampons und Binden also als Luxusgüter besteuert? Keiner weiß es…

tamponsteuer Vergleich

Die Tampon Steuer macht Tampons teuer

Wie teuer aber sind Tampons eigentlich und würde sich eine Senkung der Mehrwertsteuer für Menstruationsprodukte überhaupt wirklich auf mein Portmonaie auswirken?

Beispiel:

Eine x-beliebige Packung Tampons kostet in der Drogerie 3.25 €, darin sind 19% Mehrwersteuer enthalten. Sollte die MwSt bei gleichbleibendem Nettopreis auf 7% gesenkt werden, könnte, vorrausgesetzt Hersteller bzw. Einzelhandel passen den Preis entsprechend an, der Preis pro Packung auf 2.92 € sinken. Hier geht’s zum Mehrwertsteuerrechner.

Wie viel ich dann am Ende des Jahres gespart habe bzw. mehr gezahlt habe, hängt natürlich davon ab, welche Tampons ich kaufe und wie viele Tampons pro Periode ich benötige. Das wird von Person zu Person unterschiedlich sein. Ebenso wird es nicht jede im gleichen Maße in der Haushaltskasse treffen. Tatsache aber ist, dass für Haushalte, die auf jeden Cent achten müssen, die Senkung einen wichtigen Unterschied machen könnte. Zudem leuchtet es einfach nicht ein, dass wir als Menstruierende eine Luxussteuer auf etwas zahlen müssen, was für uns genauso zum Grundbedarf gehört wie unsere  Lebensmittel.

Gender Pricing

Die Tamponsteuer ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem sogenannten „Gender Pricing“. Hierbei sind Produkte teurer, weil sie für den Verkauf an Frauen gedacht sind. Dies befindet  laut dem Magazin Ze.tt auch die Verbaucherzentrale Hamburg auf Grund folgender Studie zur Preisdifferenzierung nach Geschlecht in Deutschland.  Im Netz kursierende Beispiele hierfür sind z.B. Damenrasierer welche deutliche Preisunterschiede zu beinahe identischen Herrenrasierern aufweisen. Einen interessanten Beitrag vom BR zu diesem Thema findet ihr hier.

Während dies Entscheidungen sind, die von Herstellern oder Handel getroffen werden, muss bei der Mehrwertsteuersenkung  die Politik etwas tun. Um eine Änderung zu bewirken, müssen wir hier alle an einem Strang ziehen und das Problem weiter thematisieren. Und genau da setzen viele der aktuellen Kampagnen an. Mittlerweile gibt es einige clevere Videos wie z.B. dieses von Einhorn, welche mehr Aufmerksamkeit für die diskriminierende Besteuerung von Menstruationsprodukten schaffen. Denn „Tassen, Binden, Tampons – das ist doch kein Luxus!“

Das „Tampon Book“ und der Bundestag

“Die Luxussteuer ist Schwachsinn! Und was hilft gegen Schwachsinn – Bücher!” The Female Company  hat ein Tampon Buch auf den Markt gebracht. Dieses enthält im Inneren zwar Tampons, wird aber als Buch besteuert, also mit 7%. Eine wirklich clevere Idee und ein grandioser PR–Streich.

Die Gründerinnen werden sogar in den Bundestag eingeladen, um dort mit mehreren Politikern zu sprechen. Laut ihrer Social Media Kanäle, will eine Fraktion einen offiziellen Antrag an den Bundestag stellen und andere Parteien und Politiker, möchten das Thema zumindest in ihr Progamm aufnehmen und den Bundestag dafür sensibilisieren. Leider gibt es aber auch Politiker, die die Senkung nicht unterstützen oder sogar ablehnen. Deshalb ist es wichtig, dass die laufenden Petitionen, weiter wachsen und dieses Thema nicht im Sande verläuft!

Petitionen – eure Chance etwas zu bewegen!

Hier findet ihr den Link zu der Petition von Nanna-Josephine Roloff & Yasemin Kotra, welche wir euch auch schon in unserem Blogbeitrag Anfang des Jahres ans Herz gelegt haben.

Wir hoffen ihr beteiligt euch an dieser und/oder den anderen Petitionen und teilt die Informationen fleißig! Denn ohne genügend Rückenwind, wird sich an diesem, nicht nachzuvollziehenden Steuersatz, nichts ändern…

Natürlich könnt ihr uns auch gerne Kommentare und Fragen zu dem Thema hinterlassen!

 

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