Dieser Gast-Blogbeitrag wurde vom Krisenzentrum für sexuelle Übergriffe, SARSAS, verfasst.
Wusstet ihr, dass eine von drei Frauen im Laufe ihres Lebens von irgendeiner Form von Harninkontinenz betroffen ist?
Obwohl Harninkontinenz weit verbreitet ist, wird nicht oft genug darüber gesprochen. Auf dem Weg zur Toilette verstecken viele Betroffene ihre Inkontinenzeinlagen oder vermeiden den Kauf von Inkontinenzeinlagen, indem sie stattdessen Binden für die Periode verwenden. Selbst wenn Harninkontinenz erwähnt wird, geschieht dies meist in einer verschlüsselten Sprache, die Euphemismen für Blasenschwäche verwendet.
Bei SARSAS gehen wir heikle Themen direkt an. Wir sind ein Krisenzentrum für Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, welches Personen unterstützt, die ein sexuelles Trauma erlebt haben. Als Expert*innen sind wir es gewöhnt, sichere Orte zu schaffen, wo Betroffene Worte finden können, um über Dinge zu sprechen, von denen sie dachten, sie niemals laut auszusprechen.
Glücklicherweise entwickelt sich die Thematik über Frauengesundheit*, Menstruation und geschlechtsspezifische Gewalt weiter. In Werbespots für Periodenprodukte wird endlich auf die blaue Flüssigkeit verzichtet und Unternehmen führen Menstruationsrichtlinien ein (indem sie z. B. zu Endometriose-freundlichen Arbeitgebern umgeschult werden). Vor allem auch dank der MeToo-Bewegung fühlen sich immer mehr Menschen als je zuvor in der Lage, über ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt zu sprechen und sich die Unterstützung zu holen, die ihnen zusteht.
Es gibt allerdings noch einige Themen rund um die Gesundheit und Erfahrung von Frauen, über die seltener gesprochen wird. Beckenbodenschwäche, insbesondere Harninkontinenz, bleibt ein Thema, das für viele der von uns unterstützten Frauen ein wahres Problem darstellt. Beckenbodenbeschwerden wurden auch mit Menschen in Verbindung gebracht, die Vergewaltigungen oder sexuellen Missbrauch erlebt haben. In einer Studie in einem Kontinenz- und Beckenbodenzentrum gaben 23 % der befragen Patientinnen an, sexuell missbraucht worden zu sein. Diese Problematik kann auf körperliche Schäden im Zusammenhang mit dem Missbrauch zurückzuführen sein, aber auch darauf, dass die Muskelaktivität aller Muskeln, einschließlich des Beckenbodens, zunimmt, wenn sie belastenden Erfahrungen ausgesetzt sind. Was im Klartext bedeutet, dass Beckenbodenmuskeln ungelöste Traumata speichern können, was wiederum zur Beckenbodendysfunktion führt.
Was muss sich ändern?
Die gute Nachricht ist, dass sich das Bild über Frauengesundheit und die Auswirkungen von Traumata ändert. Aber es muss noch mehr passieren, damit die betroffenen Personen die passende Unterstützung bekommen, die ihnen zusteht.
Wir müssen uns weiterhin für mehr Forschung und mehr Schulungen für Fachkräfte einsetzen.
Wir würden gerne folgende Veränderungen sehen:
- mehr finanzierte Forschung zu den Ursachen von Beckenbodenstörungen
- mehr Informationen und Unterstützung für Fachkräfte, damit sie kompetent und selbstsicher Personen unterstützen können, die mit Inkontinenz zu kämpfen haben
- mehr Schulungen für Fachkräfte des Gesundheitswesens, um ihnen zu helfen, die Symptome eines unbewältigten Traumas zu erkennen
- Schulungen für Fachkräfte des Gesundheitswesens zum Umgang mit der Offenlegung von sexueller Gewalt
Wir sollten eine Sprache für Tabuthemen wie Inkontinenz und Blasenschwäche entwickeln, die Zuversicht und Heilung fördert, anstatt sie mit Scham zu überlagern.
Als Krisenzentrum für Vergewaltigungsopfer sind wir stolz darauf, Teil des Wandels zu sein. Wir arbeiten mit Organisationen wie Natracare zusammen, die sich für Genderfragen einsetzen und es ermöglichen, dass alle Stimmen gehört werden.
* und alle Personen mit Vulva





