Kein Dioxin in Tampons!

Von Susie Hewson – Gründerin von Natracare

Susie Hewson, die Gründerin von Natracare, ist eine mutige, streitbare Frau, die schon vor fast drei Jahrzehnten begann, eine Alternative zu dioxinverseuchten, chlorgebleichten, zum Großteil aus Plastik bestehenden Tampons zu entwickeln. Susie hat damit die ganze Branche revolutioniert. Ihre Geschichte erzählt sie hier in ihren eigenen Worten. Viva la Revolution!

Ich bin bereits seit 1989 Kämpferin in dieser Revolution. Empört über die mangelnde Besorgnis und die wachsenden Erkenntnisse zu den Risiken von Plastik und toxischen Rückständen für die Gesundheit von Frauen.

Ich begann meine globale Kampagne, wie es bei allen guten „blutigen” Revolutionen der Fall ist, weil ich wütend wurde. Ich begann, das Bewusstsein für diese unbekannten Themen zu schärfen. Die Tamponindustrie hielt das Thema für unwichtig und für Frauen unsichtbar.

Ich sprach von Dioxinrückständen in Tampons, die ausnahmslos aus chlorgebleichtem, synthetischem Viskosefasergewebe hergestellt wurden. Gelegentlich besteht ein Tampon zu ein paar Prozent aus mit Pestiziden besprühter, konventionell angebauter genveränderter Baumwolle.

Ich nutzte meine Stimme, um Frauen dazu zu bringen, ernsthaft darüber nachzudenken, was sie jeden Monat für ihre Vagina kaufen und verwenden. Ich wollte sie über die Risiken der Verwendung von Tampons aus Viskose/Rayon aufklären. Vor allem über Dioxin, Chlorkohlenwasserstoffe, Duftstoffe, Schmiermittel, Kunststoffe und Azofarbstoffe – im Vergleich zu den Bio-Tampons aus 100 % Baumwolle von Natracare.

alte Natracare Verpackung

In den Jahren vor dem Internet haben gemeinsame Kampagnengruppen dazu beigetragen, die Botschaft durch Mundpropaganda zu verbreiten. Organisationen wie das Women’s Environmental Network und Greenpeace haben das Problem erkannt. Ab Mitte der 1990er Jahre verbreitete Natracare die Botschaft im Internet und an alle, die sie empfangen konnten und weitergeben wollten!

Natracare-Tampons wurden von Dr. Tierno an der New York University Medical School für bahnbrechende Forschungen verwendet. Die Studie untersuchte die Auswirkungen verschiedener Fasertypen in Tampons auf das Toxische Schock Syndrom (TSS). Natracare war damals weltweit der einzige Tampon aus 100 % Baumwolle. Es war der einzige Tampon aus 100 % Baumwolle, der neben den bekannten Marken in der Peer-Review-Studie enthalten war.

Die veröffentlichte Studie zeigte, dass Natracare die sicherste Möglichkeit ist, das Risiko für das TSS zu reduzieren – der Rest ist Geschichte.

Unternehmensanwälte, die die wichtigsten Tampon-Marken (und ihren Branchenverband) vertreten, haben eine eigene Kampagne zur Diskreditierung dieser Ergebnisse ins Leben gerufen. Sie versuchten, meine Integrität anzugreifen und die Marke Natracare durch ein Bombardement von Schikanen und Pressemitteilungen zur Schadensbegrenzung zu diskreditieren. Sie wollten mich zum Schweigen bringen und Natracare in die Insolvenz zwingen.

Aber sie konnten mich als revolutionäre Pionierin, die sehr wütend auf die Industrie war und die sich um ihre Schwestern sorgte, die diese Produkte weiterhin verwendeten, nicht aufhalten. Bis heute spreche ich diese unverblümten Wahrheiten über krebserregendes Dioxin in Tampons und ihre zukünftigen Auswirkungen auf die Gesundheit der Frauen ebenso wie auf unsere Umwelt unerbittlich aus.

Susie Hewson mit alter Natracare Verpackung

Bald war ich jedoch nicht mehr allein auf dieser Mission. Nach der im Juli 1994 von Dr. Tierno und Dr. Hana veröffentlichten Untersuchung („Propensity of Tampons and Barrier Contraceptives to Amplify Staphylococcus Aureus Toxic Shock Syndrome Toxin 1″[i]) wurde ich von Karen Houppert von Village Voice für einen Artikel mit dem Titel „Pulling the Plug on the Sanitary Protection Industry” kontaktiert. Auf der Titelseite stand „Embarrassed to Death, the hidden dangers of the Tampon Industry”. Der Artikel enthüllte, dass es in den USA keine verlässliche staatliche Aufsicht gab. Es gab ein Versagen bei der Regulierung von Organochloren in der Tamponproduktion. Chlorkohlenwasserstoffe werden für das Chlorbleichen oder Bleichen von Materialien eingesetzt. Dadurch werden Chemikalien wie Dioxin aus derselben chemischen Familie freigesetzt, zu der auch Agent Orange gehört!

Schon 1994 haben wir gefordert, dass auf der Verpackung von Menstruationsprodukten die Inhaltsstoffe aufgeführt werden. Genauso wie auch die Inhaltsstoffe von Shampoos deklarationspflichtig sind. Noch heute gibt es keine vergleichbare Regel für Tampons oder Binden, um anzugeben, woraus sie hergestellt wurden! Trotz der Tatsache, dass sie stundenlang in einem der porösesten und absorbierendsten Teile des Körpers gehalten werden.

In einem hoffnungsvollen Versuch, die „staatliche Aufsicht” der USA anzusprechen, stellte Kongressabgeordnete Carolyn B. Maloney am 11. November 1997 den „Tampon Safety and Research Act of 1997″ vor. Sie verwies auf den Bericht der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA aus dem Jahr 1994 über Dioxin als bekanntes krebserregendes Mittel bei Tieren und als wahrscheinliches Karzinogen beim Menschen. In einer weiteren EPA-Studie wurde 1996 die Dioxinexposition ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für Endometriose, einer Unterdrückung des Immunsystems, erhöhtem Risiko für Beckenentzündungen, verminderter Fruchtbarkeit und möglichen Störungen der Entwicklung von Föten und Kindern in Verbindung gebracht.

Die US-amerikanische Lebensmittelaufsicht (FDA) kam zu dem Schluss, dass „die wirksamste Risikomanagementstrategie darin bestehen würde, sicherzustellen, dass Tampons und Binden keine Dioxine enthalten”. In der Pressemitteilung 105th/1997-11-11 Tampon Act[ii] verweist Rep Maloney auf Tierno’s Forschung, die gezeigt hat, dass synthetische Faserzusätze in Tampons Toxine verstärken, die mit TSS in Verbindung gebracht werden.

1992 brachte der verstorbene Abegordnete Ted Weiss aus New York in einer Unterausschussanhörung des Committee on Government Operations die Fragen zur Sprache, auf die später von der Abgeordneten Carolyn Maloney verwiesen wurde. Seine Mitarbeiter hatten interne FDA-Dokumente aufgedeckt, die darauf hinweisen, dass die Behörde die Gefahr von Dioxin in Tampons nicht ausreichend untersucht hatte. Der Gesetzesentwurf der Kongressabgeordneten Maloney beabsichtigte, das National Institute of Health dazu anzuweisen, anstelle der voreingenommenen, von den Tamponherstellern finanzierten Untersuchungen eine unabhängige Forschung zu betreiben. Wie beeinflussen diese Materialien und Rückstände die Gesundheit von menstruierenden Frauen wirklich?

Die Industrie ging in die Offensive und tat, was sie immer tut. Schadensbegrenzung und voreingenommene Pressemitteilungen an die wichtigsten Frauenzeitschriften. Die Kongressabgeordnete Maloney warf ihnen vor, nicht die tatsächlichen Fakten zu den Risiken zu berichten und einen nicht sauberen Journalismus zu betreiben.

Am 1. Juni 2000 erhielt Natracare ein Update von Carolyn Maloney zusammen mit einer Kopie ihres Schreibens an den Commissioner der FDA, Dr. Jane Henney, vom 17. Mai 2000. Darin äußerte sie ihre Besorgnis über die EPA-Berichte (auf der Titelseite der Washington Post), die Dioxin eindeutig mit Krebs in Verbindung bringen.

Das Risiko durch Dioxin wurde als zehnmal höher eingestuft als in früheren Schätzungen und als menschliches Karzinogen mit einem kumulativen Lebenszeitrisiko für die Gesundheit bestätigt. Carolyn Maloney forderte das National Institute of Health im „Tampon Safety and Research Act 1999″ auf, Untersuchungen zur Sicherheit von Tampons einzuleiten. Darüber hinaus legte sie den Robin Danielson Act vor (H.R. 889)[iii], der das Centre for Disease Control (CDC) dazu zwingt, ein System zur Erhebung von Daten über die Anzahl der TSS-Fälle einzurichten.

Siebzehn Jahre später!

Am 5. Mai 2017 hat die Abgeordnete Carolyn Maloney es endlich geschafft, dass ihr Gesetz an das Subcommittee on Health geleitet wird.  Es wurde ein Programm zur Erforschung der Risiken ins Leben gerufen, die durch das Vorhandensein von Dioxin, synthetischen Fasern, chemischen Duftstoffen und anderen Komponenten von Menstruationsprodukten entstehen.

Seit 30 Jahren spreche ich über die Auswirkungen von Dioxin, synthetischen Stoffen, Farbstoffen, Duftstoffen und Schmiermitteln in Menstruationsprodukten; die Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen und unsere Umwelt. Carolyn Maloney hat fast 20 Jahre lang versucht, die „staatliche Aufsicht” zu verbessern, und jetzt endlich wurde dieses Ziel erreicht.

Natracare begann die Revolution, führte drei Jahrzehnte lang Kampagnen und schulte Frauen darin, den Lärm des unverantwortlichen Marketings und der Leugnungsaussagen der Unternehmensmarken zu ignorieren. Der Störenfried Natracare ist seiner Sache treu geblieben. Natracare widersetzt sich einer institutionellen Missachtung dafür, was für mich bereits 1989 zu offensichtlich war.

[i] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2364374/

[ii] https://www.congress.gov/bill/105th-congress/house-bill/2900

[iii] https://www.govtrack.us/congress/bills/106/hr889

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